Kolumne

Tja, man mag es ja kaum glauben, aber laut Kalender ist der Sommer da. Und selbst bei diesem bescheidenen Wetter kann man doch schon ein erstes Fazit ziehen. Jeder von uns hat auch in diesem Jahr schon wieder gegrillt. "Natürlich" möchte man jetzt spontan rufen. "Natürlich habe ich schon gegrillt" ! Sobald die Quecksilbersäule über 20 Grad klettert und die Sonne länger als 10 min. am Stück scheint erwachen einfach archaische Triebe in uns, denen wir uns nicht entziehen können, denen wir uns auch gar nicht entziehen wollen. Denn wenn wir Holzkohle auch nur riechen wird uns klar: Am Anfang war das Feuer.

Hand aufs Herz Männer. Kennt Ihr eine Frau die grillt? Die aus freien Stücken und aus Spaß an der Freud stundenlang an einem Grill steht? Selbstverständlich nicht. Damit fängt's doch schon mal an. Die Damen der Schöpfung würden jetzt natürlich sagen: „Keine Frau kommt auf so eine Schwachsinnsidee“. Natürlich nicht, den Grillen ist eine ausschließlich männliche Tätigkeit!

Allein das müsste einem durchschnittlich gebildeten Mann zu denken geben: Kaum heißt es von irgendwelchen Beschäftigungen, es handle sich um "ausschließlich männliche Tätigkeiten", schon reißen sich Männer darum: Holzhacken, Schlangestehen in Baumärkten, in Formel-1-Wagen im Kreis fahren, Mitglied bei den Veteranos  sein und halt auch grillen... Aber diese Erkenntnisse sind gottlob noch nicht zum Allgemeingut unserer Gesellschaft geworden, und es gibt noch immer Millionen von Männern, die Sommerabend für Sommerabend dazu beitragen, das Ozonloch zu vergrößern. Und das mit überaus viel Stolz. Wir stellen uns also die besorgte Frage: Wie konnte es so weit kommen?

Wie eingangs schon erwähnt: Am Anfang war das Feuer. In unserer hochtechnisierten Gesellschaft gibt es für einen geborenen Jäger und Sammler wie den Mann kaum noch Entfaltungsmöglichkeiten seiner innersten Instinkte. Bei Grillen ist er Mensch, da darf er's sein. Grillen befreit uns von den Fesseln der Zivilisation, also lasst uns grillen Männer – und das so oft wir nur können. Das wir uns dabei manchmal seltsam benehmen, das sollte uns nicht weiter stören. Es befreit uns einfach von unseren Fesseln und deshalb sind wir berechtigt es zu tun. Mitsamt dem einem Ritual gleichendem Vorspiel - als hätte uns der Weg direkt aus der Savanne in den Supermarkt geführt. 



An der Fleischtheke kommt nun der Moment wo man mit geschultem Auge bei Veterano 1 das Funkeln in den Augen und den sich windenden Darm erkennen kann. Zunächst erlegen wir erst ein paar zappelnde Schweinenackensteaks, bringen dann mit einem gekonnten Handschwung 20 zitternde Rostbratwürste zur Strecke und murksen etliche Schweinebäuche eigenhändig ab. Im Vorbeigehen zielen wir mit jahrelanger Übung noch einer Flasche Barbecuesoße zwischen die Augen.


Mit zufriedenem Brummen schultern wir unsere frisch erlegte Beute und verziehen uns an den Ort des Freudenfestes. Dort gehen wir noch mal in uns und danken Gott für die Erschaffung des Nutztieres.

Nun wirds dramatisch! Die Marinade wird dem nackten Fleisch aufgetragen, der Grill erhitzt und die ersten Kolben geöffnet...Die Gier wird immer größer und der Sabber läuft in Bächen den erröteten Gesichtern herunter. Die Rindersteaks sind noch so blutig das sie am liebsten vom Teller springen würden um zurück in die Wildnis zu ziehen und der Verdauungstrakt schreit schon vor dem fleischlichen Genuss nach einem gebrannten Gesöff. Über das Fleisch ergießen sich flutartig auftretende reißende Soßenbäche. Nach einem stundenlangen Gemetzel steht der Sieger unumkehrbar fest!

VETERANOS 1 : SCHWEIN&RIND 0





Aber es geht nicht nur um den reinen Schlemmergenuss. Nein, es geht um Geselligkeit, Grillen ist sogar gut für den Weltfrieden. Warum? Ganz klar. Ein mit Grillen und Bier zapfen, bzw. trinken beschäftigter Mann ist ein friedfertiges Wesen. Er brummt still vor sich hin, er wendet hier und spießt da auf, kurzum er ist zu kaum einer Aggression fähig. Nicht auszudenken wie viele Kriege verhindert hätten werden können, wenn es stets Sommer gewesen wäre. Wer würde heutzutage wissen, wer Osama Bin Laden ist, wenn es in Afghanistan stets genügend Grills gegeben hätte. Selbst Arafat wäre statt Terrorist wahrscheinlich schon in früher Jugend zu einem grillzangenschwingenden Eremiten geworden. Aber in Israel gab's für Palästinenser halt nur den heißen Stein (gerüchteweise soll es rund um das Palästinensergebiet sogar einige Dutzend, wenn nicht sogar einige hundert heiße Steine in diversen Wüsten geben.). Und was vom heißen Stein kann zwar auch ganz lecker sein, aber was vom Grill ist halt doch unschlagbar, wenn es zusammen mit einem guten und frisch gezapften Pils kredenzt wird. (Was allerdings den Umkehrschluss zulässt, dass sowohl Osama als auch Yasir wohl leider auch kein Fässchen guten deutschen Bieres gehabt haben. Somit wären die großen Konflikte dieser Welt eh nicht zu verhindern gewesen.)



Bevor ich hier jetzt noch den Gipfel der Perfidie erreiche, möchte ich dann doch an dieser Stelle schließen und mich fröhlicheren Gedanken widmen. Denn ich bin für Freitag zum grillen eingeladen. Natürlich bedrückt es, vorher nicht das Ritual der Jagd begehen zu dürfen, allerdings bleibt ja immer noch die Möglichkeit ab und zu beim wenden zu helfen und auch friedfertiges zapfen sollte beizeiten möglich sein. Bleibt also nur zu hoffen, dass die Sonne mich am Freitag anlacht und einen friedfertigen Menschen aus mir macht.

Ich rufe Euch allen daher zu: nutzt den Sommer Freunde, grillt was das Zeug hält und schert Euch nicht darum wenn ihr belächelt werdet. Ihr tut es für Euch, Eure Gesundheit, für die Bierindustrie und für den Weltfrieden. So einfach kann Globalisierung sein.




 In diesem Sinne Herrschaften. Lasst die Roste glühen.

 

 

 

 

VETERANOS FOR LIFE!!!!!!!!!!!!!!!